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Impulse zu Lebensfragen

Vielen Dank!

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielen Dank für deine Aufmerksamkeit in den letzten Jahren bei Lesen meines Blogs. Es sind viele Artikel geworden im Laufe der Zeit und ich bin an einem Punkt gekommen, wo es sich für mich erschöpft. Ich denke an meinen Himbeerstrauch im Garten. Er trug in diesem Sommer viele Himbeeren und zum Spätsommer hin gab es Tag für Tag weniger Früchte und die Blätter fingen an zu welken. Irgendwann kam mir die Erkenntnis, dass die Himbeere sich erschöpft hat. So spürt sich es auch an mit meinem Blog.
Ich werde diesen Blog nicht schließen oder löschen. Alle Texte bleiben erhalten und stehen dir weiterhin zur Verfügung. Viele Texte findest du auch wieder in meinen Büchern "Zähenputzen für die Seele", "Himbeeren für die Seele" und "Surfen für die Seele". Ich mag sie dir gerne ans Herz legen - auch als mögliches Geschenk für Menschen, die du magst.
Vielen Dank für deine Treue. Ich verbinde mich mit dir und wünsche dir eine reiche Entdeckunsreise im inneren deines eigenen Herzens. Vielleicht führst du meinen Blog weiter, indem du einen eigenen Blog anfängst und deine Gedanken teilst.

Alle guten Wünsche für dich von Matthias Könning.

Sei wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus.




Manchmal
strenge ich mich an und zeige mich in einer neuen Gruppe von meiner
Schokoladenseite her. Ich gehe auf die Menschen zu. Ich lache oder
lächle zumindest. Ich nehme Augenkontakt auf. Ich spreche Komplimente
aus und versuche, mich interessant zu machen.

Und das ist
anstrengend. In mir gibt es einen Teil der sagt: "Was mach ich hier
eigentlich. So bin ich doch gar nicht. Ich bin eher schüchtern und
zurückhaltend. Ich bin eher jemand, auf den man zugehen muss und nicht
jemand, der auf andere zustürmt."

Der Schüchterne in mir bekommt also gar
keine Chance. Der wird plattgebügelt und übergangen. Das mag der
Schüchterne in mir überhaupt nicht. Der sagt dann zu mir: "Nie wieder!
Nie wieder komme ich mit in eine mir unbekannte Gruppe von Menschen!"
"Sei
wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus." In dir gibt es viele
verschiedene Persönlichkeitsanteile, die zu dir gehören. Manche magst du
und manche nicht. Und von manchen glaubst du, dass die anderen das
nicht mögen werden. Wenn du bestimmte Anteile in dir nicht magst, wie
sollen die anderen dann das mögen? Wird in der Regel nicht
funktionieren.

Wenn ich das nächste Mal in eine Gruppe komme, wo
ich niemanden kenne, werde ich es anders machen. Ich schaue, wer denn
vertrauensvoll wirkt. Auf diesen Menschen gehe ich zu und sage:
"Entschuldigung wenn ich Sie anspreche. Aber ich bin sehr schüchtern und
fühle mich hier gerade sehr unsicher. Darf ich einen Augenblick bei
Ihnen stehen? Sie wirken auf mich so vertrauenswürdig." Wenn ich mir
vorstelle, dass ich das so machen werde, dann nehme ich den Schüchternen
schon mal mit, so dass es leichter wird. Allein die Vorstellung, dass
ich es machen könnte, reicht aus.
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Hier siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist!




An erster Stelle fallen mir mein
Eltern ein. Sie haben dafür gesorgt, dass es mich gibt. Sie haben sich geliebt
und ich bin das Ergebnis. So wünsche ich es mir jedenfalls. Aber gefragt wurde
ich natürlich nicht. Ohne sie wäre ich wohl nicht. Meine Gene speisen sich aus
ihrem Pool und aus den Linien vieler Vorfahren.
An zweiter Stelle fallen mir meine
Lehrer ein, denn die haben dafür gesorgt, dass ich etwas lernen konnte. Ich
mochte meine Grundschullehrerin. Wenn sie zu streng gewesen wäre, dann wäre aus
mir vielleicht ein sehr ängstlicher Mensch geworden mit einem geringen
Selbstwertgefühl. Die Jahre in der Realschule und dem Gymnasium erlebte ich
aber eher als eine Heißmangel. Wie ein Stück Tuch wurde ich in der Schule
durchgewalkt. Auf meinen Zeugnissen konnte ich das Endergebnis lesen. In Physik
nur mäßig aber gut in Religion.
Mir fallen auch meine Pfarrer und
Religionslehrer ein, denn die haben sich darum gekümmert, dass mein Glaube
Konturen bekam. Manchmal war es wirklich interessant und herausfordernd. Und
weite Strecken einfach nur langweilig. Am Schluss blieb auch ein wenig Angst
und Respekt kleben.
Wer trägt noch die Verantwortung
für mein Leben? Mein Hausarzt hat mich ins Krankenhaus gesteckt mit einer Blinddarmentzündung.
Musste das sein? Jetzt habe ich vielleicht eine traumatische Erfahrung von
Verlassenheit. Ein kleiner Junge so allein im Krankenhaus.
Mein Arbeitgeber trägt auch
Verantwortung, denn er muss dafür sorgen, dass ich jeden Monat mein Gehalt
bekomme. Zum Glück ist er zuverlässig und das Gesetz schützt mich.
Ich könnte noch ein paar Menschen
zusammenrechnen, die Verantwortung für mein Leben tragen. Die Politik sollte
ordentliche Gesetze machen und die Banken die Zinsen nicht zu hoch. Ich schaue
am Ende des Monats auf mein Gehalt und sehe, welche Behörden und Versicherungen
etwas von mir haben möchte. Vor allem die Krankenversicherung lässt sich ihren
Anteil an Verantwortung gut bezahlen.
Jetzt könnte ich die Hände in den
Schoß legen und sagen: „Wenn es mir so geht, wie es mir geht, dann ist das kein
Wunder! Ich werde einen Schuldigen finden an meinem emotionalen Zustand.“ Vor
allem meine Eltern müssen bis zum Ende ihres Lebens meinen Ärger spüren für all
das, was sie nicht ordentlich hinbekommen haben. Meine Eltern sind
verantwortlich dafür, ob aus mir ein sozial verträglicher Mensch geworden ist.
Ich könnte meinen Religionslehrern
und Pfarrern jeden Tag einen Vortrag halten, was sie aus meiner Seele gemacht
haben. Wie habe sie es nur geschafft, dass in mir ein strafender Gott Platz
nehmen durfte. Ich wundere mich, dass ich trotz und mit all meinen Ängsten
überleben konnte.
Ja, wenn alle ihre Verantwortung
ordentlich wahrgenommen hätten, dann würde es mir prächtig gehen. Ich wäre heil
und gesund. Ich wäre liebenswert und voller Selbstvertrauen. Ich fühlte mich
wie auf Händen getragen und könnte die Erde glatt mit dem Paradies verwechseln.
Ich hätte eine große Familie, äußerst liebevoll und fürsorglich. Ich wäre reich
und würde alle Fähigkeiten und Begabungen entdecken und ohne einschränkende
Glaubenssätze entfalten. Ich wüsste nicht einmal, was ein schlechtes Gewissen
wäre, weil meine Straße mit Vertrauen und Wohlwollen gepflastert wäre. Wenn
alle, aber wirklich alle ordentlich ihre Verantwortung wahrgenommen hätten.
Haben sie aber nicht! Bei dir?
Mir geht es schlecht, weil alle
versagt haben. Ich könnte eine lange Liste des Versagens und der Anklagen schreiben.
Anschließend würde ich mich zurücklehnen und vorwurfsvoll in die Runde schauen:
"Da seht ihr nun, was ihr angerichtet habt. Jetzt seht mal zu, wie ihr das
wieder hinbekommt. Vorher stehe ich hier nicht auf!"
Ich bin ein armes Opfer. Ein Opfer
meiner Eltern. Ein Opfer meiner Ärzte. Ein Opfer meiner Pfarrer. Darum bin ich
so verkorkst. Aus mir konnte nur dieses Wrack werden, das jetzt diese Zeilen
schreibt.
STOPP!
Bei einer Weiterbildung gehe ich auf
die Toilette und sehe einen Zettel am Spiegel hängen. Darauf steht:  "Hier sehen Sie den Menschen, der für Ihr
Leben verantwortlich ist!" Ich protestiere! "Ich bin verantwortlich?
Ich? Nicht meine Eltern und das ganze Gefolge?" Unerbittlich hängt dort
der Zettel und sagt mir, dass ich in den Spiegel schauen soll. "Du trägst
die Verantwortung für dein Leben!"
Ja, es gibt Vorgaben. Die Eltern
geben etwas vor, die Lehrer, die Ärzte und die ganze Liste der Menschen, die
etwas zu meinem Leben beigetragen haben. Und dann kommt der Denkfehler. Ich
denke dann: "Aha, das ist das Ergebnis. So bin ich jetzt und in
Ewigkeit."
Ich denke um. Ich schaue in den Spiegel
und nehme wahr, was ich alles im Leben erlebt habe. Das waren die Vorgaben. Die
Geschenke! Und dann aber komme ich! Ich mache etwas mit dem Material, das vor
dem Spiegel steht. Ich kann mich dazu verhalten. Ich kann etwas gut oder
schlecht finden. Ich kann meinen Eltern danken oder mich davon distanzieren.
Ich kann zur Arbeit gehen oder wegbleiben. Ich kann mich verhalten zu dem, was
ich da im Spiegel sehe. Ich stehe also vor dem Spiegel und übernehme die
Verantwortung für den Menschen, den ich dort sehe. Es ist mein Leben und nicht
das Leben meiner Eltern oder meiner Lehrer oder meiner Pfarrer. Die Liste
meiner "Förderer" und "Behinderer" existiert zwar. Aber ich
mache etwas damit - oder auch nicht.
Ich gehe auf die Toilette und
lasse dort etwas los. Ich übernehme die Verantwortung für mein „Geschäft“. Die
Exkremente außen und die einschränkenden Bilder und Vorstellungen innen. Ich
wasche meine Hände und übernehme die Verantwortung. Ich nicke mir freundlich zu
und bestätige mich. In Ordnung! Jetzt bin ich dran!
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Einfach mal was abhängen



In
einem Bekleidungsgeschäft sehe ich einen Ständer, wo ich meine
anprobierte Ware abhängen darf. Ich muss sie nicht zurückbringen. Ich
darf die Sachen einfach abhängen. Eine Verkäuferin ist zwischendurch
damit beschäftigt, die Sachen wieder ordentlich auf den Bügel zu hängen
und an den vorgesehenen Platz zurückzubringen.

In meinem Alltag
hole ich Teller aus dem Schrank und räume sie nach dem Spülen zurück.
Ich packe aus und packe wieder ein. Ich übernehme Verantwortung für die
Dinge, für meine Aufgaben und für mein Leben. Ich besitze ein Fahrrad
und habe wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn ich es nicht putze. Im
Hintergrund sagt mir die innere Stimme: "Das ist dein Fahrrad. Willst
du lange etwas davon haben, dann musst du es pflegen!"

Da komme
ich in diesen Laden und darf meine Sachen einfach abhängen. Kennst du
auch dieses Gefühl von Erleichterung, dass du etwas abhängen darfst. Du
musst keine Verantwortung übernehmen. Du denkst nicht weiter nach und
lässt los. Ich denke gerade an all die, die so viel Verantwortung tragen
müssen. Die sich so viele Sorgen machen um ihre Kinder, die alten
Eltern, die kranken Ehepartner. So viele Lasten!

Wenn es dir so
geht, dann wünsche ich dir einen Kleiderständer mit der Einladung,
einfach mal was abzuhängen. Du glaubst vielleicht, dass Sorgen nur
innerlich sind. Sie gehören zu dir und es gibt dafür keinen Ständer.
Aber gedanklich könntest du es einfach mal so machen. Da gibt es einen
Sorgenständer in deiner Nähe und du hängst deine Sorgen da hin wie
Kleider. Für einen Moment. Du kannst sie ja jederzeit wieder zu dir
nehmen und anziehen. Aber du hast die Erlaubnis, einfach mal da was
hinzuhängen. Dafür ist der Kleiderständer da und dort hängt auch ein
Erlaubnisschild.

Wenn du jetzt gerade eine große Last zu tragen
hast dann kannst du dir die Erlaubnis geben, für einen Moment
loszulassen. Für einen Augenblick eine Pause einzulegen. Es bleibt dir
noch genug. Die Verantwortung bleibt und du wirst weitertragen. Es geht
nur um den kleinen Moment, mal einfach loszulassen. Der Augenblick der
Erleichterung.

Ich freue mich, wenn ich in einem solchen Laden die
Sachen nicht zurückbringen muss. Wo gehörten die noch mal hin? Ich darf
sie einfach mal da abhängen und meine Gedanken und mein "schlechtes
Gewissen" hänge ich gleich mit dazu.
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Einfach mal mitschwingen!



Vielleicht lebst du nicht allein, sondern mit anderen Menschen
zusammen. Das ist häufig sehr beglückend und schön, manchmal aber auch
voller Spannungen. Eine der Ursachen liegt aus meiner Sicht in einem
Mangel an Synchronizität. Wir schwingen alle unterschiedlich.

Zwei
Menschen gehen aus und der Eine hat in Windeseile Schuhe und Mantel an
und der Andere benötigt gefühlte ewige Zeiten. Ich will dabei die Rolle
nicht auf Mann und Frau festlegen. Oder beim Essen ist der eine viel
früher fertig als der andere. Du stellst einfach fest, dass jeder Mensch
so seine ganz eigenen Zeitabläufe hat. Dein Tag kann sich zäh und
langsam anfühlen oder rasch und voll. Die Uhr zeigt allen die gleiche
Zeit an. Der Tag behält seine 24 Stunden. Die gefühlte Zeit
unterscheidet sich jedoch mächtig von den gemessenen Stunden.

Beim
Meditieren erlebe ich es häufig, dass für Einige die halbe Stunde
schnell verfliegt und andere schon nach zehn Minuten unruhig werden.
Diese unterschiedlichen Zeitgefühlt können im Zusammenleben manchmal zu
Konflikten führen.

Der erste Schritt für dich könnte heißen: Werde dir bewusst, wie du selbst deine Zeiten und Abläufe empfindest und gestaltest.

Der zweite Schritt heißt: Beobachte, wie deine Umgebung das erlebt im Unterschied zu dir.

Der
dritte Schritt heißt: Überlege, ob du hin und wieder dich dem Zeittempo
der anderen angleichen könntest. Führt das zu mehr Harmonie und
Ausgewogenheit?

Es kann sein, dass dein Gegenüber dankbar dafür ist, dass du mit Ihm oder Ihr stärker synchron schwingst!

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Wo liegt dein Venedig?




Vor
ein paar Tagen las ich von Lippstadt als dem Venedig Westfalens. Kannte
ich noch nicht! Dann begann ich zu recherchieren und fand heraus, dass
es die Venedig des Nordens gibt mit Giethoorn in Holland. Dazu kommen
noch Amsterdam, Brügge, Kopenhagen und Friedrichstadt. Im Osten tummeln
sich als Venedig Städte wie Dresden, Breslau und St. Petersburg. Im
Westen gibt es auch Orte mit dem gleichen Beinamen wie Westport in
Irland und Nantes in Frankreich. Um die Venedigs zu komplettieren
wandern wir in den Süden nach Recife, Puerto de Mogan auf Gran Canaria
und nach Bangkok.

Ergänzen wir dann noch die Vendigs für die
Städte, die sich ein wenig zurücknehmen, dann gelangen wir zu den
"Kleinvenedigs" nach Berlin, Colmar und Bamberg. Und mitten drin:
Lippstadt, das Venedig in Westfalen! Herrlich!

Ein paar Venedigs
habe ich bestimmt noch vergessen. Mir geht es jedoch um das Thema, das
sich dahinter verbirgt. Wir möchten alle im Paradies leben. Ein paar
Kanäle, schöne Häuser, Orte des Verweilens, ein Straßencafé. Einfach im
Sein sein! Manchmal entscheiden wir uns für diesen Ort und fahren nach
Venedig im Original. Wir haben die Hoffnung, dass sich da unsere Träume
und Sehnsüchte erfüllen.

Die Sehnsucht treibt uns voran und zieht
uns an sich. Das lässt sich auch gut vermarkten. Sobald eine Stadt ein
wenig Venedig ausstrahlt, lässt sich das mit der Sehnsucht der Menschen
verknüpfen nach dem Motto: "Komm nach Lippstadt und deine Seele findet,
was sie sich wünscht!" Und so nebenbei lässt du den einen oder anderen
Euro im dahinsiechenden emotionalen Sehnsuchtszustand fallen.

Das
erinnert stark an die ersten Geschichten im Buch Genesis. Die Menschen
verlieren ihr Paradies, weil sie von der verbotenen Frucht essen. Sie
werden vertrieben, aber die Erinnerung bleibt und die Sehnsucht auch,
wieder dahin zu finden.

Im psychologischen Sinn war unser erstes
Paradies der Mutterleib. Den mussten wir verlassen bei der Geburt. Jeder
Mensch trägt also eine Geschichte der Verlassenheit in sich. Und
zugleich eine Geschichte der Sehnsucht. Ich will zurück! Zurück an dem
Ort des Glückes.
"Venedig" wird zu einem modernen Bild unserer
Sehnsucht. An das Paradies glaubt ja keiner mehr. Mit dem lässt sich
auch kein Geld verdienen.

Wo liegt dein Venedig, wenn wir schon
einmal bei dem Thema sind? Wann kannst du entspannen. Wo und was
brauchst du dafür, wenn du etwas brauchst? Siechst du noch dahin in
deiner Sehnsucht? Bist du also "süchtig" oder bist du schon angekommen?
Bist du vielleicht noch verführbar? Wenn ja, wie stark? Welches
"Venedig" steht dir zur Verfügung und nach welchem "Venedig" schmachtest
du?

Wenn du magst, dann öffne doch mal dein Herz und schau da
rein. Vielleicht entdeckst du, dass ein Stück Venedig dort verortet ist
und du aufhören kannst mit dem Suchen. Frohes Entdecken!
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Kreative Lösungen finden!




In
einer Seitenkapelle der Kathedrale von Santiago sieht man den Heiligen
Jakobus mit erhobenem Schwert, das gleich auf eine Schar von Männern mit
Turban niedersaust, um ihnen martialisch den Kopf abzusäbeln. Santiago,
der Maurentöter. Ein beliebtes Motiv in der jahrhunderte dauernden
kämpferischen Kirche gegen den islamischen Feind.

Vor ein paar
Jahren nun beschloss das Domkapitel, diese Figur zu entfernen, weil sie
nicht mehr zeitgemäß ist. Diese Entscheidung stieß auf den erbitterten
Widerstand der Traditionalisten. Die Figur muss bleiben, sonst gibt es
Ärger. Kein Wunder, dass ein schwertschwingender Jakobus den Ärger auch
nach Jahrhunderten gut anstacheln kann.

So haben wir nun zwei
Gruppen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Die Verfechter eines
sich mit dem Islam versöhnenden Klerus und die Gruppe der
Traditionalisten, die um ihre schwindende Identität fürchten. Figur rein
oder raus? Das Domkapitel hat zwar die Macht, aber den Proteststurm
muss man erst einmal überstehen. Es kann doch nur einen Gewinner und
einen Verlierer geben, oder?

Die Lösung, von der ich hörte, klingt
schildbürgermäßig oder wie ein fauler Kompromiss. Doch manchmal liegt
die Lösung eben auf einer höheren Ebene. Und wie machten das die
einfallsreichen Spanier? Nun, die "Mauren" bilden den Sockel der Figur
und befinden sich folglich unten. Jetzt wird diese Figur über und über
ordentlich mit Blumen geschmückt. So ist nicht mehr erkennbar, was
Jakobus dort mit dem Schwert macht. Er könnte jetzt also auch Blumen
köpfen. Die Traditionalisten haben sich durchgesetzt: Die Figur bleibt.
Der Domklerus hat sich auch durchgesetzt: Die Anstößigkeit verschwindet -
zwar nicht aus der Kathedrale, aber hinter einem Berg von Blumen. Der
nicht wissende Betrachter wird entzückt sein von der spanischen
Frömmigkeit, die jederzeit ihren Heiligen in einem Blumenmeer versinken
lässt.


Manchmal scheint es im Leben nur ein
entweder/oder zu geben. Einer gewinnt und Einer verliert. Für eine
Gemeinschaft ist das aber keine wirkliche Lösung, weil der Verlierer den
Verlust auf die Dauer nicht so widerstandslos hinnimmt. Besser ist es,
eine Lösung zu finden, wo beide Parteien gewinnen. Die Blumen des
Heiligen Jakobus erweisen sich als klugen dritten Weg. Solltest du
demnächst in eine Situation hineingeraten, in der es zu einer
Entscheidung kommt mit möglichen Gewinnern und Verlierern erzähle doch
die Geschichte von Santiago de Compostela und dem geschmückten Jakobus.
Dann lade deine Gruppe dazu ein, nach einer Lösung auf ähnlicher Ebene
zu suchen. Deine Kinder wollen auf den Abenteuerspielplatz und Vater
möchte Ruhe haben. Aber die ganze Familie möchte auf jeden Fall den Tag
gemeinsam verbringen. Entweder verlieren die Kinder und verzichten auf
das Abenteuer oder der Vater verzichtet auf seine Ruhe. Na, fällt dir
eine Lösung ein, wie man den Vater oder die Kinder "mit Blumen"
schmücken kann?
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Rückrufaktion?



Ich liebe diese Rückrufaktionen. Da wird "verunreinigte" Wurst gefunden oder Glas in der Schokolade oder Reinigungsmittel in der Babynahrung. Dann gibt es eine große Rückrufaktion. wer ruft da eigentlich wen zurück? Ruft die entsprechende Firma per Telefon ihre Produkte an? Warum heißt das nicht Rückholaktion. Oder Müllsammlung oder produktbezogener Feuerwehreinsatz. Oder Verbraucheralarm. Rückrufaktion klingt so freundlich. "Ich habe Sie angerufen und bitte um einen Rückruf.""Es eilt nicht und ich bin immer für Sie da."

Als ob man per Ruf Produkte bewegen kann. Menschen bewegen Produkte. MitarbeiterInnen müssen die Produkte einsammeln und verpacken. Verbraucher warnen und die schon gekauften Sachen zurücknehmen und verbuchen. Den Ärger aushalten. Das ist mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Da wird nicht einfach nur ein wenig gerufen. "Hallo! Winke winke! Rückruf!"

Dabei würden mir so richtig echte Rückrufaktionen sehr gefallen. Wenn ich einen Menschen anrufe und nur den AB erreiche, dann wünsche ich mir eine zeitnahe Rückmeldung und möchte nicht eine Woche warten. Oder - wie wäre eine Rückrufaktion, dass ich alle Menschen, die ich mag einmal anrufe und es ihnen sage, dass ich sie mag. Oder - Politiker versprechen so halbherzig, etwas für den Umweltschutz zu tun und teilen es der Öffentlichkeit mit. Wer ruft zurück? Wie wäre mal eine ordentliche Rückrufaktion? So bitte nicht! Lieber anders! Das ist zu wage und zu wenig!

Ich mag die "Rückrufaktionen" an Weihnachten. Sich gegenseitig daran erinnern, dass ich an meine Lieblingsmenschen denke und diese an mich.
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Diamanten mit Mehrwert



In
einem Geschäft kann ich essbare Diamanten kaufen. Lustig! Diamanten
sind nicht essbar. Wenn sie essbar sind, sind sie keine Diamanten.
Diamanten sind äußerst hart und nicht geeignet für den Prozess der
Verdauung. Es wird unten wieder herauskommen wie oben eingeführt.


Ich
könnte es mir doch trotzdem einmal vorstellen. Essbare Diamanten. Wäre
das vergleichbar mit Kaviar? Nur noch teurer? Ein Genussmittel für die
Superreichen? Da, wo ganz oben noch einmal sich die Reichen trennen?
Kaviar für die Reichen und essbare Diamanten für die Superreichen. Eine
Handvoll Diamanten essen und ein Vermögen ist dahin. Eine Mahlzeit im
Wert von einer Villa!


Ein Mensch braucht weder Kaviar
noch essbare Diamanten. Brot macht alle satt. Brot mit Beigabe wie
Butter und Käse wäre für das Vergnügen. Wenn Menschen auf Kaviar
verzichten könnten gäbe es Butter und Käse für jeden. Jeder hätte
Vergnügen. Die Reichen und die Superreichen müssten sich vorstellen
können, mit Brot und Käse auskommen zu können. Mit Brot und Käse auch
noch Vergnügen zu haben. Wer genug hat kann ver"gnueg"t sein!


Ich
brauche weder Kaviar noch Diamanten. Die wesentliche Dinge kann ich mir
sowieso nicht kaufen. Dir mir wesentlichen Dinge! Ob mir jemand Achtung
entgegenbringt ist ein Geschenk. Wenn ich geliebt und geschätzt werde,
dann weil jemand das freiwillig macht. Ich werde beschenkt! Jeden Tag!
Hallo Sonne, schön dass du da bist! Hallo Blume, wunderbar, dass dein
Anblick mich erfreut! Hallo Leserin und Leser, danke dass du mir deine
Aufmerksamkeit schenkst. Hallo Mensch an meiner Seite: Wie schön, dass
ich nicht allein gehen muss!


Welchen Wert haben essbare
Diamanten? Das braucht kein Mensch! Aber einen Menschen an meiner
Seite, das hat einen wirklichen Mehrwert!
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Wir haben eine Regel, nach der sich nie alle immer richten.




Vor
ein paar Tagen erschien mir im Traum ein Freund. Er sprach vom
Zusammenleben in seiner Familie. Mit folgendem Satz bin ich aufgewacht:
"Wir haben eine Regel nach der sich nie alle immer halten."

Nie,
alle und immer schwirrte in meinem Kopf herum. Im Aufwachen verstand ich
den Sinn dieses Satzes überhaupt nicht. Menschen leben zusammen und
entwickeln Regeln. Das gibt jedem in der Gruppe Halt und Orientierung.
Regeln verhindern das Chaos. Jedes Mitglied in der Gruppe versucht so
gut es geht, sich daran zu halten und dafür zu sorgen, dass alle das
Bedürfnis nach Sicherheit und Zusammenhalt wahrnehmen und respektieren.
Manchmal entstehen die Regeln demokratisch und manchmal auch nach der
Vorstellung der Eltern oder sonstiger Autoritäten.

In meinem Traum
nun gab es eine Regel nach der sie nie alle immer halten. Ging es dabei
um ein bestimmtes Thema oder galt das grundsätzlich? Ich habe es so
verstanden, dass es in der Familie meines Freundes die Erlaubnis gab,
dass immer jemand von der Regel befreit war. Niemand erwartet, dass sich
alle immer nach dieser Regel richten. In meinem Wachbewusstsein gehe
ich davon aus, dass eigentlich sich alle an die Regeln halten. Wie
selbstverständlich. Ausnahmen sind Ausnahmen.

Wenn eine Gruppe es
sich erlauben kann, dass immer Mitglieder sich befreien dürfen dann
entsteht doch ein größerer Freiraum, oder? Es bringt zum Ausdruck, dass
es nicht um das Einhalten von Regeln geht sondern um einen guten
sozialen Zusammenhalt.

Wir Menschen haben alle unterschiedliche
Bedürfnisse zu unterschiedlichen Zeiten. Ich habe das Bedürfnis nach
Gemeinschaft, aber auch nach Autonomie. Manchmal scheinen sich die
Bedürfnisse zu beißen. "Wir haben eine Regel, nach der sich nie alle
immer richten." Den Satz übersetze ich so: "Wir achten darauf, dass
möglichst viele Bedürfnisse unserer Gruppenmitglieder erfüllt werden.
Dabei stellen wir Regeln eher hinten an."

Wie streng bist du mit
deinen Regeln? Am Arbeitsplatz oder in der Familie oder in deinen
sonstigen sozialen Gruppen? Wer nimmt sich da mehr Freiheiten heraus und
wie händelst du es? Gibt es eine Regel, die für dich absolut gilt? Ich
wünsche dir ein Quäntchen mehr Freiraum.
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Heute ist wieder mal alles so Trallala



Wie geht es dir?
"So Trallala".


An
manchen Tagen geht es mir einfach gut. Es passt alles. Das Wetter, die
Laune, die Kleidung, das Essen. Alles ist stimmig. Die Menschen sind
nett zu mir und ich kann auch sehr nett sein. Solche Tage gibt es
wirklich. Leider nicht kontinuierlich und es dürften auch ein paar mehr
sein.


An manchen Tagen geht es mir einfach schlecht. Es
passt nichts. Das Wetter, die Laune, die Kleidung, das Essen. Nichts
ist stimmig. Die Menschen sind nicht nett zu mir und ich kann auch nicht
nett sein. Auch solche Tage gibt es. Zum Glück nicht zu oft. Aber es
dürften noch weniger sein


An den meisten Tagen habe ich
so eine Mischung. Etwas hier von und etwas da von. Es gibt eben Tage,
da ist alles so "Trallala". Mir gefällt der Begriff. Diese
Uneindeutigkeit. Diese Mischung, die ich nicht benennen kann.

Wenn
dich jemand fragt: "Wie geht es dir?" Dann antwortest du oft, dass es
dir gut geht. Dass es dir schlecht geht, sagst du eher nicht. Da würdest
du große Betroffenheit auslösen. Aber eigentlich geht es dir ja eher so
"ungefähr", eben so "Trallala".


Besitzt "Trallala"
eine eigene Qualität? Ich finde, ja. Mit Trallala fülle ich Melodien, wo
ich keinen Text für finde. Höre dir die Schlager an. Ein wenig Text und
ganz viel "Oh" und "Ah",  "Mm" und "jäh". Trallala eben. Bei Trallala
legst du nicht den Wert auf einen Inhalt, auf einen Gedanken, sondern
eher auf ein Gefühl. Trallala meint ein Gefühl. Ein Mischgefühl. Ein
Eintopf. Manchmal kommen viele Gefühle zusammen und ergeben ein
eigenartiges Gemenge. Du bist nicht glücklich, aber auch nicht
unglücklich. Sogar neutral wäre das falsche Wort. Es gibt kein Wort,
dass das inhaltlich trifft. Statt Trallala könntest du auch einfach
schnauben und antworten: "Ich weiß nicht."

Wenn die Mehrzahl
deiner Tage aber "Trallala" sind, wäre es gut, wenn du damit
einverstanden sein könntest. Begrüße jeden "Trallala" - Tag mit einem
herzlich Willkommen und nimm ihn an, wie er da ist. Wird schon! Ist auch
in Ordnung! Muss ja! Geht jetzt nicht anders! Iss so! Eben - Trallala.
Oder auch - so la la.
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Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passiert ist.



Meine
Eltern legten Wert auf eine gute Erziehung. Danke sagen. Der Junge
macht eine Verbeugung und das Mädchen einen Knicks. Bescheiden sein und
Fragen eines Erwachsenen beantworten.

Verwandte und Nachbarn sollten einen guten Eindruck bekommen. Gut erzogene Kinder weisen hin auf erziehungsfähige Eltern.

Eltern
müssen früh genug mit der Erziehung anfangen, damit auch möglichst früh
ein funktionierender Erwachsener dabei herauskommt. Es kommt ja darauf
an, sich so in die Gesellschaft einzufügen, dass du nicht auffällst.
Oder dass du einen guten Eindruck hinterlässt. Dass niemand dir etwas
vorwerfen kann. Dass du gut durch das Leben kommst. Moralisch perfekt
und mit einem guten Zeugnis für den Eintritt durch die Himmelspforte.

Die
Eltern meinen es gut. Sie wollen, dass das Leben der Kinder glückt.
Sonst würden sie wohl nicht erziehen. Beim Erziehen wird halt viel
gezogen. Vielleicht gut für die Konformität und die Anpassung. Aber
schlecht für die individuelle Entfaltung. Auf meiner Spruchkarte steht:
"Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passierte."

Ich
habe eine Ahnung, was dann passierte. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo
trotz aller Erziehung der Mensch erwacht zu sich selbst. Er sagt sich:
"Die Erziehung, das war nicht ich. Das waren meine Eltern. Zu mir gehört
ein anderes Leben." Ich erlebe das wie eine Vertiefung oder Neuauflage
der Pubertät.

Wenn du alt genug bist, gehst du noch einmal
wichtige pubertäre Schritte. Du streifst dein anerzogenes Kind-Ich ab
und wirst erwachsen. Findest dein Eigenes. Das, was zu deiner
Persönlichkeit passt und zu dir gehört. Und ich glaube, dass das auch
passieren muss. Irgendwann. Bis du den Verstand verlierst oder die Augen
für immer zu machst kannst du aufwachen aus deinem Kindheitstraum(a).
Es ist gut für dich, wenn dann etwas passiert. Wenn du aufwachst und
tief erkennst: "Wie schön! Das bin ja ich!"
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Bist du depressiv oder umgeben von Menschen, die dir nicht gut tun?



Wenn
du dir selbst Depressionen oder einen Minderwertigkeitskomplex
diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht einfach nur von
Arschlöchern umgeben bist.


Zu mir kam eine Frau mit der ärztlichen Diagnose einer Depression.

Sie war ratlos. Sie kam sich so ohnmächtig und hilflos vor.

Dann haben wir uns unterhalten über das Leben und die Arbeit und die Familie.

Sie erzählte von ihrem Mann.

Der
war auch nicht zufrieden mit ihr. Sie würde nichts für sich tun. Sich
nicht mehr schick machen. Die Figur vernachlässigen. So schlecht gelaunt
sein.

Ihr Mann würde ständig Vorschläge machen und Veränderungen einfordern. Und es sei so schwer, ihn zufriedenzustellen.

Aber
jetzt hatte sie ja eine Diagnose: Depression! Ich kam wirklich auf eine
völlig andere Idee. Wenn ich einen Mann an meiner Seite hätte, der mich
ständig kritisieren würde und das über Jahre. Wie würde es mir dann
gehen?

Ich habe nicht gefragt, aber ich hätte fragen sollen: "Leben Sie mit einem Arschloch zusammen?" Gedacht hatte ich es.

Allein
die Vorstellung, dass ich von lauter Arschlöchern umgeben bin befreit
mich schlagartig von jeder Depression. Bei einer Depression bestrafe ich
mich letztlich selbst und hocke da in meinem Abgrund. Wenn ich sauer
bin auf die Welt um mich herum, dann komme ich in die Tat.

Wenn du
also so einen Anflug von Depression hast, dann schau doch mal, ob da
nicht gerade ein kleines Arschloch in der Nähe ist. ;-)
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Du siehst nur deinen Schatten, wenn du deinen Rücken zur Sonne drehst. (Khalil Gibran)




Ich
musste  über diesen Satz erst nachdenken. Wenn ich meinen Rücken zur
Sonne drehe dann scheint mir die Sonne ins Gesicht. Dann sehe ich meinen
Schatten nicht, denn der fällt ja hinter mir. Ich schaue also in die
Sonne und genieße das Licht. Mir wird bewusst, dass ich ein Lichtwesen
bin. Ich könnte denken, dass es im Leben keinen Schatten gibt. Alles ist
Sonne. Ich bin ein Engel. Wie wunderbar.

Wenn ich mich umdrehe,
dann spüre ich die Sonne im Rücken und sehe meinen Schatten. Mir wird
bewusst, dass der Schatten auch da ist. Ich sehe ihn nicht immer, aber
er ist da. Wenn ich meinen Schatten sehe, dann sehe ich aber nicht mehr
die Sonne.

Ich denke, dass mein Leben aus Sonne und Schatten
besteht. Ich bin manchmal freundlich zu mir und manchmal stehe ich mir
selber im Weg. Ich finde manche Eigenschaften an mir wunderbar und mit
anderen komme ich nur schwer klar. Ich sehe die Geschenke in meinem
Leben und auch die Hypotheken. Da sind immer beide Teile: Licht und
Schatten.

Welche Botschaft versteckt sich hinter Khalil Gibrans
Satz? Ich verstehe ihn so, dass ich die Möglichkeit habe, mich zu
entscheiden. Ich kann mich entscheiden, ob ich meinen Schatten sehe oder
das Licht. Es geht nicht darum was besser oder schlechter ist.
Menschen, die ständig ihren Schatten betrachten können nur depressiv
werden. Menschen, die nur ihr eigenes Licht sehen verlieren den Zugang
zu den anderen Seiten der Realität. Das Leben besteht aus Licht und
Schatten. Aber ich kann mich drehen. Ich kann meine Positionen
verändern. Ich kann die Graubereiche hinzunehmen. Da gibt es das
Spektrum von hell- bis dunkelgrau. Sowohl als auch ist entspannter als
entweder oder.

Es ist auch hilfreich, hin und wieder seinen
Schatten wahrzunehmen. Am Schatten kannst du dich weiterentwickeln. Da
weißt du, wo du noch etwas tun kannst. Zur Sonne hingewendet weißt du,
wo das Element ist, von dem du lebst. Ich wünsche mir, da wie ein Tänzer
zu werden, der geschickt zwischen Licht und Schatten sich mit leichten
Füßen hin- und herbewegen kann.
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Wartest du noch auf ein Wunder oder passiert es gerade jetzt!



Wartest
du auf ein Wunder? Das Wunder, dass du einmal ganz reich und einmal
ganz glücklich sein wirst? Eines Tages? Wartest du auf das Wunder, dass
dein Traumprinz vor dir steht und schon eine Ewigkeit auf dich gewartet
hat? Wartest du auf das Wunder, dem du nachspürst, wenn du du dich in
einen Roman vertiefst und verlierst?

Pearl S. Buck meint sagt:
"Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare
zu sehen." Wenn du die Erfüllung eines Wunders in der Zukunft siehst,
dann bist du nicht mehr da in deinem Körper und deinem Geist. Dann bist
du schon aus dir ausgewandert in das Land deiner Phantasie. So kann es
geschehen, dass das kleine Wunder um Hier und Jetzt gar keine Chance
hat, dich zu erreichen. Da gibt es den Vogel draußen auf dem Baum, der
dich mit seiner Lebensfreude anstecken kann. Da gibt es den
Sonnenstrahl, der deine Haut gerade jetzt erwärmt. Da genießt du die
erste Tasse heißen Kaffee am frühen Morgen. Dir wird bewusst, dass du
ein Dach über dem Kopf und eine warme Stube hast. Es gibt so viele
Alltäglichkeiten, die das Wunder bergen. Wohin lenkst du deine
Aufmerksamkeit? In die ferne Zukunft oder in die Gegenwart? Bist du noch
da? Wo bist du gerade? Was nimmst du jetzt in diesem Augenblick wahr,
wo du diese Zeilen liest.

Ich gestehe dir, manchmal versinke ich
auch in meine großen Zukunftswunder. Doch jetzt, in diesem Augenblick
bin ich bei dir. Du liest meine Zeilen und mein Herz wird weit.

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Bist du depressiv oder umgeben von Menschen, die dir nicht gut tun?



Wenn du dir selbst Depressionen oder einen Minderwertigkeitskomplex diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht einfach nur von Arschlöchern umgeben bist.


Zu mir kam eine Frau mit der ärztlichen Diagnose einer Depression.

Sie war ratlos. Sie kam sich so ohnmächtig und hilflos vor.

Dann haben wir uns unterhalten über das Leben und die Arbeit und die Familie.

Sie erzählte von ihrem Mann.

Der war auch nicht zufrieden mit ihr. Sie würde nichts für sich tun. Sich nicht mehr schick machen. Die Figur vernachlässigen. So schlecht gelaunt sein.

Ihr Mann würde ständig Vorschläge machen und Veränderungen einfordern. Und es sei so schwer, ihn zufriedenzustellen.

Aber jetzt hatte sie ja eine Diagnose: Depression! Ich kam wirklich auf eine völlig andere Idee. Wenn ich einen Mann an meiner Seite hätte, der mich ständig kritisieren würde und das über Jahre. Wie würde es mir dann gehen?

Ich habe nicht gefragt, aber ich hätte fragen sollen: "Leben Sie mit einem Arschloch zusammen?" Gedacht hatte ich es.

Allein die Vorstellung, dass ich von lauter Arschlöchern umgeben bin befreit mich schlagartig von jeder Depression. Bei einer Depression bestrafe ich mich letztlich selbst und hocke da in meinem Abgrund. Wenn ich sauer bin auf die Welt um mich herum, dann komme ich in die Tat.

Wenn du also so einen Anflug von Depression hast, dann schau doch mal, ob da nicht gerade ein kleines Arschloch in der Nähe ist. ;-)
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Good Morning. Let the stress begin!



Du stehst am Morgen auf und wagst einen Blick in den Tag. Du siehst deine Termine im Kalender. Du stellst dir vor, wie du deine Aufgaben anpackst und bewältigen wirst. Du bist voller Zuversicht und Kraft.

Dann tauchen Bilder auf von Einschränkungen und Widerständen. Da ist doch dieser Kollege, der immer meckert. Da gibt es doch das Hindernis, das du gestern schon nicht überwunden hast. So nach und nach entwickelst du eine Kampfhaltung und bevor du die erste Aktion anpackst fühlst du dich schon im Stress. Du bist vollgepumpt mit Adrenalin und Cortisol. Vielleicht notwendig, damit du deine Dinge auch schaffst.

Mir gefällt die Vorstellung, dass ich nach dem Aufstehen, nach dem Blick in den Kalender, nach den Vorstellungen von allen möglichen und unmöglichen Hindernissen und nach der adrenalingestärkten Kämpferhaltung ich mir das Geschenk gönne, mich noch einmal zu sammeln. Ich setze mich hin und trinke in Ruhe meinen Kaffee. Während die Schlacht gedanklich schon um mich herum begonnen hat, mache ich noch nicht mit. Ich sammle mich und stehe auf, wenn ich wirklich so weit bin. Aber dann: "Good morning. Let the stress beginn!"

In der Sammlung wird es mir nichts ausmachen. Ich bin zentriert und ganz bei mir. Hallo Leben, ich komme!
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Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passiert ist.



Meine Eltern legten Wert auf eine gute Erziehung. Danke sagen. Der Junge macht eine Verbeugung und das Mädchen einen Knicks. Bescheiden sein und Fragen eines Erwachsenen beantworten.

Verwandte und Nachbarn sollten einen guten Eindruck bekommen. Gut erzogene Kinder weisen hin auf erziehungsfähige Eltern.

Eltern müssen früh genug mit der Erziehung anfangen, damit auch möglichst früh ein funktionierender Erwachsener dabei herauskommt. Es kommt ja darauf an, sich so in die Gesellschaft einzufügen, dass du nicht auffällst. Oder dass du einen guten Eindruck hinterlässt. Dass niemand dir etwas vorwerfen kann. Dass du gut durch das Leben kommst. Moralisch perfekt und mit einem guten Zeugnis für den Eintritt durch die Himmelspforte.

Die Eltern meinen es gut. Sie wollen, dass das Leben der Kinder glückt. Sonst würden sie wohl nicht erziehen. Beim Erziehen wird halt viel gezogen. Vielleicht gut für die Konformität und die Anpassung. Aber schlecht für die individuelle Entfaltung. Auf meiner Spruchkarte steht: "Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passierte."

Ich habe eine Ahnung, was dann passierte. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo trotz aller Erziehung der Mensch erwacht zu sich selbst. Er sagt sich: "Die Erziehung, das war nicht ich. Das waren meine Eltern. Zu mir gehört ein anderes Leben." Ich erlebe das wie eine Vertiefung oder Neuauflage der Pubertät.

Wenn du alt genug bist, gehst du noch einmal wichtige pubertäre Schritte. Du streifst dein anerzogenes Kind-Ich ab und wirst erwachsen. Findest dein Eigenes. Das, was zu deiner Persönlichkeit passt und zu dir gehört. Und ich glaube, dass das auch passieren muss. Irgendwann. Bis du den Verstand verlierst oder die Augen für immer zu machst kannst du aufwachen aus deinem Kindheitstraum(a). Es ist gut für dich, wenn dann etwas passiert. Wenn du aufwachst und tief erkennst: "Wie schön! Das bin ja ich!"
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Über Gefühle reden!



Manche Menschen können total leicht über ihre Gefühle sprechen.

Im Kontakt mit den meisten Frauen erlebe ich, dass sie das echt gut können.

Hut ab!


In der Beratung erlebe ich die Männer da vor allem eher stumm.

Sie können über Ereignisse sprechen. Sie wissen Lösungen für viele Probleme.

Aber sie können in der Regel nicht so gut über ihre Gefühle sprechen.

Oft wissen sie nicht einmal, wie fühlen geht.

Sie haben es nicht gelernt. Es hat ihnen niemand beigebracht.

Vielleicht haben sie als kleine Jungen mal gefühlt, aber niemand hat sich dafür interessiert.

Interessiern sich Mütter mehr für die Gefühle ihrer Töchter als für die ihrer Söhne?


Auf meiner Spruchkarte gibt es die Einladung, die gefühlt eher an die Männer geht.
"Hol den Alkohol, wir müssen über Gefühle reden!"

Der Alkohol löst die Zunge, bringt die Gefühle ins Fließen. Leider sind das dann Gefühle unter Alkoholeinfluss. "Weinseelige" Gefühle. Flüchtige Gefühle, die schnell wieder verschwinden. Hilfreich, wenn Denken und Fühlen zusammenkommen. Wenn beides möglich ist und seine Wertschätzung bekommt. Und manche Männer könnten eine Nachhilfestunde vertragen im Fühlen und Erzählen von Gefühlen. Ruhig auch im nüchternen Zustand.
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Wir lästern nicht, wir beobachten, analysieren und bewerten



Immer wieder kommt es vor, dass ich mit Menschen zusammenbin und plötzlich wird gelästert. Es lässt sich ja wunderbar lästern über Menschen, die gerade nicht da sind. Indem ich andere heruntermache, stelle ich indirekt heraus, dass ich ja irgendwie doch besser bin. Lästern erleichtert das Herz - aber mit einem schalen Beigeschmack.

Es verbessert nicht die Situation. Ich komme in eine negative Idee. Ich mache jemanden fertig, der sich nicht verteidigen kann. Irgendwann kommt die Selbsterkenntnis: So viel besser bin ich auch nicht. Ich könnte jetzt das Lästern schönreden. So wie auf der Spruchkarte. Ich beobachte ja nur, ich analysiere und gebe eine Wertung ab. Wenn ich das mache, dann nehme ich die Gefühle heraus und tue so, als bewege ich mich auf eine sachliche Ebene. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.

Wenn ich lästere, dann bin ich wahrscheinlich in einem Gefühl der Kränkung. Meine Bedürfnisse wurden nicht gesehen oder ich habe nicht gut für mich gesorgt. Ich finde es hilfreicher, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Blick zu nehmen und besser für sich zu sorgen. Du änderst nichts, wenn du lästerst. Du schaffst aber eine Grundlage für die nächsten Lästerungen. Wenn du gut für dich sorgst wird es keinen Grund mehr dafür geben.

Das Lästern funktioniert ja übrigens nur dort, wo mindestens zwei Personen da sind. Für sich selbst lästern macht keinen Sinn. Lästern geschieht im "wir". Es braucht einen Raum der Resonanz. Du bist gekränkt und suchst eine Bestätigung. Du bekommst eine für dich positive Rückmeldung und du fühlst dich besser. Und darum geht es dir ja eigentlich. Du möchtest dich besser fühlen. Probier es mal mit dem Einstehen für deine eigenen Bedürfnisse!
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